-
Übergeordnete Ziele des Fazit-Heftes
Die Schülerinnen und Schüler erlangen in ihrem Prozess der Beruflichen Orientierung ein Bewusstsein für Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit, um sich gegebenen Strukturen individuell und kreativ anpassen zu können. Die Schülerinnen und Schüler lernen durch Reflexion und Dokumentation das Erlebte, Erfahrene und Erkannte argumentativ zu erläutern und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Mit dieser Herangehensweise haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, ihre Erinnerungen an die gemachten Erfahrungen im Verlauf der Zeit nicht einseitig zu idealisieren oder als ausschließlich negativ zu speichern. Anhand der differenzierten Beschreibungen im Fazit-Heft sind sie in der Lage, sich beide Seiten der gemachten Erfahrungen vor Augen zu führen, sodass sie u. a. auf dieser Basis begründete Entscheidungen für anstehende Schritte auf ihrem Weg treffen können.
Die Schülerinnen und Schüler können beantworten, worin ihre (beruflichen) Interessen, Fähigkeiten, nächsten Schritte und Möglichkeiten bestehen, welche Personen oder Institutionen sie unterstützen können und woher sie weitere Informationen bekommen. Für die Bewältigung von Rückschlägen kennen sie geeignete Strategien, können einen Plan B verfolgen und wissen um mögliche nächste Schritte. Es wird ein positiver Erfahrungsschatz und eine verschriftlichte Vorlage für begleitete und selbstständig durchgeführte Bewerbungsphasen geschaffen.
Wie kann „Meine Motivation und mein Fazit“ genutzt werden?
Optionen für den Unterricht und die schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren nach jeder Praxiserfahrung ihre ursprüngliche Motivation für die Wahl ihrer Berufsfelderkundungsplätze und des Praktikumsplatzes und formulieren ein kurzes Feedback. Die Erkenntnisse dienen den Schülerinnen und Schülern als Anhaltspunkte für zukünftige Studien- oder Berufsentscheidungen und geben ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, sich im Formulieren der Erkenntnisse für das Verfassen künftiger Bewerbungsanschreiben zu üben.
Die Übersicht „Meine Motivation und mein Fazit“ kann nach der Durchführung des jeweiligen Standardelements in den Entwicklungsgesprächen zum Beruflichen Orientierungsprozess gemeinsam ausgefüllt werden. An dieser Stelle ist die Reflexionsmethode „Meine Meinung“ aus der Toolbox gut zur Erweiterung der Fragestellung geeignet. Sie ermöglicht ggf. eine genauere Erinnerung an die Praxiserfahrung und bietet Inspiration für weitere Überlegungen zur Motivation und zum Fazit. Durch weitere Impulse können die Fragen in der Übersicht vielschichtig beantwortet werden und die gewonnenen Erkenntnisse durch passende Fragestellungen für die Zukunft nutzbar gemacht werden. Konkrete Situationen zu erfragen und durchzusprechen deckt (ggf. unbewusste) Verhaltensweisen und noch nicht erkannte Stärken der Schülerin/des Schülers auf und stärkt die Selbstsicherheit, Selbstwirksamkeit und das berufliche Selbstkonzept. Ein differenzierter Blick auf die Bewertung einzelner Situationen, der eigenen Rolle und des eigenen Verhaltens, den Umgang mit und das Verhalten der Anderen, kann dabei helfen zu definieren, was der Schülerin/dem Schüler wichtig ist, was ihr/ihm liegt und was wiederum schwerfällt. Das Besprechen alternativer Verhaltens- und Entscheidungsmöglichkeiten im Nachgang an negative Praxiserfahrungen bietet die Gelegenheit, konkrete Ziele für die Zukunft zu erfassen.
Impulse für Fragen im Entwicklungsgespräch:
- Zu wie viel Prozent decken sich deine Erwartungen an die Berufsfelderkundungen/an das Praktikum mit deinen dann gemachten Erfahrungen?
- Wie hätte die Praxiserfahrung sein müssen, damit du nun ausschließlich positiv berichten könntest?
- Woran merkst du beim nächsten Mal direkt, dass etwas nicht so läuft, wie du es dir wünschst?
Bewerbungsprozess
Ziel
Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern die beim Einstieg in das Thema Bewerbung häufig vorhandenen Ängste und Gefühle der Überforderung zu nehmen. Durch die Veranschaulichung des Prozesses als schrittweise Abfolge einzelner Stationen erscheint die zu bewältigende Aufgabe übersichtlich und machbar. Auch bei Absagen hilft diese Übersicht, den „Faden“ wiederzufinden und weiterzumachen.
Wie kann die Übersicht „Bewerbungsprozess“ genutzt werden?
Optionen für den Unterricht und die schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung
Die Übersicht veranschaulicht kleinschrittig die verschiedenen Stationen im Bewerbungsprozess, die von den Schülerinnen und Schülern durchlaufen werden. Der Startpunkt und die möglichen ersten Ergebnisse (Zu-/Absage) sollten geklärt werden. Daran anknüpfend geht es um die Frage, wie es im Falle einer Zu- oder Absage weitergehen kann.
In den Entwicklungsgesprächen zum Beruflichen Orientierungsprozess ist die Übersicht hilfreich, um die Stationen des Bewerbungsprozesses im Einzelnen mit der Schülerin/dem Schüler zu reflektieren. So können die Schritte durchgespielt und gründlich vorbereitet werden. Falls eine Schülerin oder ein Schüler zu Beginn oder auch innerhalb des Prozesses Schwierigkeiten hat, den nächsten Schritt zu überwinden, können gemeinsam kleine Zwischenschritte festgelegt werden.
Um der Schülerin/dem Schüler eine positive Selbstwirksamkeitserfahrung zu ermöglichen, sollten die Schritte niedrigschwellig konzipiert sein, damit die Schülerin/der Schüler diese selbstständig gehen und kleine Ziele erreichen kann. Unterstützend können Methoden der Toolbox einbezogen werden. So kann die Methode „Meine Schatzkarte“ für die Erörterung des Unterstützernetzwerkes bei einzelnen Schritten oder Fragestellungen hilfreich sein. Die Methode „Mein Ich“ kann für ein positives Mindset zur Überwindung einzelner Schritte, für das Treffen schwieriger Entscheidungen oder zum Umgang mit Niederlagen genutzt werden.
Impulse für Fragen im Entwicklungsgespräch:
- Kennst du die für dich wichtigen Fristen und Termine für die anstehenden Bewerbungen?
- Auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = gar nicht/10 = stark): Wie sehr stresst/ängstigt/demotiviert dich die Vorstellung, eine Absage auf eine Bewerbung zu erhalten?
- Wie motivierst du dich bei anderen Themen weiterzumachen, falls mal etwas nicht so läuft, wie du es dir gewünscht hast? Funktionieren diese Strategien?
Wie kann die „Checkliste: Meine Bewerbung“ genutzt werden?
Optionen für den Unterricht und die schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung
Die Checklisten für Anschreiben und Lebenslauf sind sowohl Anleitung für die Erarbeitung der Bewerbung als auch Kontrollmöglichkeit, um zu sichern, dass alle wichtigen Bestandteile der Bewerbungsvorbereitung erfüllt wurden.
Innerhalb der Entwicklungsgespräche zum Beruflichen Orientierungsprozess mit der Schülerin/dem Schüler kann anhand der Checkliste gemeinsam erörtert werden, wie sie/er grundsätzlich eigene Aufgaben plant, um Pläne zu realisieren und Ziele zu erreichen. Zudem können die noch zu erledigenden Aufgaben terminiert und der Unterstützungsbedarf besprochen werden. Hilfreich können hier Methoden der Toolbox sein, so z. B. „Meine Timeline“, um diese Aufgaben zu dokumentieren. Auch das Zurückblättern im Fazit-Heft kann nützliche Erkenntnisse aufdecken, die den Bewerbungsprozess voranbringen.
Bausteine meines Lebenslaufs
Ziel
Die Schülerinnen und Schüler lernen die Kategorien eines klassischen Lebenslaufes kennen und „befüllen“ bzw. aktualisieren die verschiedenen thematischen Bausteine regelmäßig im Verlauf ihres Beruflichen Orientierungsprozesses. Dabei gilt es, die wichtigsten Daten, Infos und Erkenntnisse für sich auf den Punkt zu bringen. Der Lebenslauf „wächst“ mit jeder gemachten Erfahrung, entsprechend wächst das Gefühl der Sicherheit um den eigenen Kompetenz- und Erfahrungsschatz. Die Bausteine des Lebenslaufes dienen später als Grundlage für die Erstellung der eigenen Bewerbungen.
Wie kann das Tool „Bausteine meines Lebenslaufs“ genutzt werden?
Optionen für den Unterricht und die schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung
Die Schülerinnen und Schüler finden einen vorstrukturierten Lebenslauf vor, der sich in verschiedene thematische Bausteine eines typischen Lebenslaufs gliedert: persönliche Daten, schulische Laufbahn, Standardelemente der Beruflichen Orientierung, praktische Erfahrungen, Hobbys und Interessen, Kenntnisse, Engagement, Stärken und Talente. Im Laufe ihrer Beruflichen Orientierung werden die verschiedenen Bausteine von den Schülerinnen und Schülern erweitert und aktualisiert. So wächst der Lebenslauf mit den gemachten Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler in Echtzeit mit. Die Bausteine des Lebenslaufs dienen später als Grundlage für die Erstellung der eigenen Bewerbungen und sollen von den Schülerinnen und Schülern so genutzt werden, dass sie zur Selbstdarstellung diejenigen Informationen ihres Lebenslaufs auswählen, die für den fokussierten Bereich passend erscheinen.
Innerhalb der Entwicklungsgespräche zum Beruflichen Orientierungsprozess kann – je nach Anliegen – die Erweiterung oder Aktualisierung der Bausteine im Lebenslauf gemeinsam vorgenommen werden. Neben der reinen Dokumentation der vergangenen Ereignisse liegt dann der Fokus vor allem auf der Erörterung von Kenntnissen, Hobbys und Interessen, Stärken und Talenten. Die Toolbox-Methoden „Mein Ich“, „Meine Timeline“ und „Mein berufliches Ich“ lassen sich für die Dokumentation und Erörterung hinzuziehen.
Impulse für Fragen im Entwicklungsgespräch:
- Was meinst du, musst du für Hobby XY wissen? Ist das etwas, was du auch beim Baustein „Kenntnisse“ einsetzen kannst?
- Welche Infos aus „Meine Timeline“/„Mein Ich“/“Mein berufliches Ich“ haben bisher noch keinen Platz in deinem Lebenslauf gefunden?
Meine Bewerbungen
Ziel
Die Tabelle „Meine Bewerbungen“ dient den Schülerinnen und Schülern als Möglichkeit der strukturierten Dokumentation ihrer Bewerbungsbemühungen. Bei einer sorgsamen Bearbeitung haben sie die Gesamtheit ihrer laufenden Bewerbungen im Blick und können ggf. zeitlich passende Nachfragen stellen. Auch bei einem langsam vorangehenden Bewerbungsprozess bleiben alle Informationen präsent.
Wie kann die Tabelle „Meine Bewerbungen“ genutzt werden?
Optionen für den Unterricht und die schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung
Die Schülerinnen und Schüler tragen für jede laufende Bewerbung die jeweilige Berufsbezeichnung, die Kontaktdaten, das Bewerbungsdatum und die Bewerbungsart (schriftlich, online) und dann später das Datum der Rückmeldung sowie die Art der Rückmeldung (Zu- oder Absage) für sich ein.
Die Tabelle dient nicht nur den Schülerinnen und Schülern als Strukturierungsmöglichkeit, sondern liefert ebenfalls den beratenden Lehrkräften Anhaltspunkte für die Recherche wichtiger Informationen und das Zeitmanagement im Bewerbungsprozess. Zudem zeigt sie die Bemühungen der Schülerinnen und Schüler, sodass auch darauf eingegangen werden kann, wie es der Person mit der Entwicklung geht. Die verbundenen Emotionen können durch lange ausstehende oder negative bzw. positive Rückmeldungen auf die Bewerbungen ganz unterschiedlich ausfallen.
Impulse für Fragen im Entwicklungsgespräch:
- Auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = gar nicht/10 = stark): Wie zufrieden bist du mit deinem eigenen Engagement? Wer oder was kann dir helfen, auf die 10 zu kommen?
- Was meinst du, wie kannst du die Wartezeit auf eine Rückmeldung sinnvoll nutzen? Welchen Plan B oder C hast du gerade mit im Blick/nicht im Blick?
- Im Falle einer Absage: Welcher Plan rückt jetzt in den Vordergrund und was wäre dein nächster Schritt?
© 2026 MSB.NRW





