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Neukonzeption des Berufswahlpasses
Eine Einführung
Wie kann der Berufswahlpass die Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, die eigene Berufswahlkompetenz zu entwickeln?
Der Berufswahlpass begleitet die Schülerinnen und Schüler durch die aufeinander aufbauenden Standardelemente des Beruflichen Orientierungsprozesses. Hierbei werden die Schülerinnen und Schüler durch das aufbereitete Material wiederkehrend und passend zum anstehenden oder vorausgegangenen Standardelement aufgefordert, aktiv zu werden. Die Formen der Aktivierung sind dabei vielseitig angelegt:
- kreative Methoden1 , die die verschiedenen Lebensbereiche der Jugendlichen ansprechen,
- konkrete Aufforderungen, die individuellen Vorhaben zu planen, strukturieren und strategisch anzugehen,
- der stetige Impuls, die Berufliche Orientierung prozesshaft und reflexiv zu betrachten.
Die differenten Bereiche des Berufswahlpasses zielen darauf ab, die Schülerinnen und Schüler in eine bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst, ihrer Umwelt, ihren Fähigkeiten und Optionen zu versetzen, indem die Standardelemente gezielt vor- und nachbereitet werden. Berufliche Orientierung ist ein Prozess, der in den wenigsten Fällen linear verläuft. Bereits entwickelte Interessen, Vorstellungen und Wünsche werden durch neue praktische Erfahrungen und Impulse revidiert – dies erfordert neue Selbstkonzeptionen und Zukunftsvisionen.
Berufswahlkompetenz gilt als zentrales Konzept im Diskurs der Beruflichen Orientierung. Der Begriff bezeichnet die Kompetenz einer Person, Berufsbiografien zu entwerfen, zu planen und zu gestalten. Das Modell der Beruflichen Orientierung der Berufswahlkompetenz beschreibt die Ausbildungs- und Studienwahl als individuellen Entwicklungsprozess, in dessen Verlauf berufsrelevante Wissensbestände, Bereitschaften und Fähigkeiten erworben werden (vgl. Driesel-Lange et al., 2010).
Das Augenmerk des Berufswahlkompetenzmodells liegt auf Kompetenzen, die notwendig sind, um eine Entscheidung für eine Ausbildung oder für ein Studium zu planen, umzusetzen und zu verantworten. Zentral ist die Fragestellung, was Schülerinnen und Schüler wissen und können sollten, um diese bedeutsame Entscheidung zu treffen.
Zu den theoretischen & konzeptionellen Grundlagen der Berufswahlkompetenz im BO-Tool
Die Bedeutung der Berufswahlkompetenz
Die fünf zugrunde liegenden Dimensionen der Berufswahlkompetenz:

Die Dimensionen der Berufswahlkompetenz entspringen dem Model des Berufsorientierungsindex (BOX). Der BOX ist ein Fragebogen, der sich als Instrument zur Feststellung der individuellen Standpunkte in der Beruflichen Orientierung nutzen lässt. Die Feststellungen, die sich daraus generieren lassen, geben hilfreiche Anhaltspunkte, in welchen Bereichen ihres Orientierungsprozesses sich die Schülerinnen und Schüler bereits gut aufgestellt sehen bzw. an welchen Fragestellungen sie Unterstützung brauchen werden.
Das berufliche Selbstkonzept umfasst die Kenntnis der Schülerinnen und Schüler über ihr Selbst und die Arbeitswelt (vgl. Herr, Cramer & Niles, 2004). „D. h. die Schülerinnen und Schüler müssen ihre Interessen, Stärken und Schwächen einschätzen können, wissen, welche unterschiedlichen Anforderungen unterschiedliche Berufe mit sich bringen, und einschätzen können, wie gut sie den Anforderungen entsprechen“ (Driesel-Lange et al., 2020).
Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das Ausprobieren und Hineinbegeben in neue Situationen sind elementare Bausteine für die Schülerinnen und Schüler, um die Chance zu erhalten, eine positive Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
Eine positive Selbstwirksamkeit speist sich aus der Zuversicht, dass der Prozess der Beruflichen Orientierung sowohl grundsätzlich als auch individuell gut zu bewältigen ist. Selbstwirksamkeit gilt als einer der zentralen personenbezogenen Schutzfaktoren für Resilienz (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2019). Daneben ist auch das berufswahlbezogene Engagement bedeutend, denn der Berufswahlprozess muss praktisch in Gang gesetzt und aufrechterhalten werden. Die Bereitschaft, sich auf den Prozess und die damit einhergehenden Anforderungen einzulassen, unterstützt die berufliche Entwicklung.
Engagement bedeutet, berufliche Perspektiven und die eigene Person zu explorieren und dabei Wissen zu generieren (vgl. Herr, Cramer & Niles, 2004) sowie die eigene Laufbahn zu planen. Die Sicherheit als Klarheit in der Entscheidung unterstützt den Prozess der Berufswahl. Im Umkehrschluss – und das ist vielleicht noch entscheidender – behindert Unsicherheit eine Bewältigung des Berufswahlprozesses. Angst davor, Fehler zu machen und diese nicht mehr korrigieren zu können, macht jede zu treffende Entscheidung schwer.
Sicherheit resultiert aus einer als passend wahrgenommenen Entscheidung; sie ist zumeist das Ergebnis eines Problemlöseprozesses (vgl. Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2019; Hofer & Spurk, 2019).
Die Dimension Flexibilität ist in der beruflichen Entwicklung wichtig und zugleich ein zweischneidiges Schwert. Keine Flexibilität, sondern eine enorme Fixierung auf den einen bestimmten Bereich kann Risiken bergen, wenn bestimmte Hürden (zu hoher Numerus clausus, keine ausreichende Mobilität, um die Berufsschule zu erreichen etc.) nicht überwunden werden können. Gleichzeitig kann eine zu große Flexibilität hinsichtlich der eigenen Beruflichen Orientierung zum stetigen Vertagen einer Entscheidung führen, weil ja vermeintlich „alle Türen offen stehen“. Flexibilität ist eine Dimension, die die Verknüpfung individueller Entscheidungen mit Bedingungen der Arbeits- und Berufswelt repräsentiert.
Literatur:
- Driesel-Lange, K., Gehrau, V., Brüggemann, T. & Epker, M. (2020). Der Berufsorientierungsindex (BOX). Theoretische und empirische Fundierung von Befragungsitems zur wissenschaftlichen Analyse von und praktischen Beratung bei Berufsorientierungsprozessen. (noch nicht veröffentlicht)
- Driesel-Lange, K., Hany, E., Kracke, B. & Schindler, N. (2010). Berufs-und Studienorientierung. Erfolgreich zur Berufswahl. Ein Orientierungs- und Handlungsmodell für Thüringer Schulen. In: Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Hrsg.). Materialien Nr. 165. Bad Berka: Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien.
- Fröhlich-Gildhoff, Klaus & Rönnau-Böse, Maike (2019). Resilienz (5., aktualis. Auflage). München: Ernst Reinhardt.
- Herr, E. L., Cramer, S. H., & Niles, S. G. (2004). Career guidance and counseling through the lifespan (6. Auflage). Boston, MA: Allyn & Bacon.
- Hofer, A. & Spurk, D. (2019). Die Rolle des Laufbahncommitments in der beruflichen Entwicklung. In: S. Kauffeld & D. Spurk (Hrsg.), Handbuch Karriere und Laufbahnmanagement (S. 459–485). Berlin: Springer.
Die Struktur des aktuellen Berufswahlpasses
Der Berufswahlpass dient den Schülerinnen und Schülern als Lern-Entwicklungs-Portfolio während ihres Beruflichen Orientierungsprozesses. Hierfür wurde er sowohl inhaltlich als auch im Design passend zur jugendlichen Zielgruppe überarbeitet. Das Text-Bild-Verhältnis wurde angepasst und eine wiederkehrende Symbolsprache , die die Schülerinnen und Schüler als unterstützender Wegweiser in den Kapiteln begleiten wird, wurde integriert (BWP, S. 2).
In der Überarbeitung wurden zudem die Beratungssettings verstärkt mit in den Blick genommen. Es finden sich Tipps und Impulse mit beispielhaften Fragestellungen für die begleitende Beratung durch Lehrkräfte bei den jeweiligen Methoden aus Toolbox und Fazit-Heft.
Mehr Fragen stellen!?
Die Impulsfragen innerhalb des BWPs sind ein erster thematischer Anstoß für das Thema der prozessorientierten Begleitung und Beratung durch die Lehrkräfte. Weitere Informationen zur Gestaltung der Beratungssettings mit Anregungen und Tipps für die Gestaltung des Standardelements „Schulische Beratung“ (SBO 2.1) in KAoA finden Sie hier:
Zu weiteren Impulsen und Vertiefungen für schulische prozessorientierte Begleitung und Beratung im BO-Tool
Der Berufswahlpass ist in der Überarbeitung als hybride Version konzipiert, sodass die Schülerinnen und Schüler innerhalb der Kapitel zu digitalen Methoden und Arbeitsblättern abspringen können und ihnen so die direkte Verbindung zum digitalen Berufsfeldfinder ermöglicht wird. Das digitale BO-Tool für Lehrkräfte ergänzt die KAoA-Standardelemente durch aufbereitete Materialien, Handreichungen und Informationen. In der Sekundarstufe II ist die Gestaltung der innerschulischen Workshops über das BO-Tool mithilfe des Workshopgenerators möglich; hierüber können Materialien und Abläufe digital zusammengestellt werden. Auf der entsprechenden Seite sind weitere Add-ons mit zahlreichen Modulen zu erreichen.

Inhaltlich gliedert sich der Berufswahlpass in die folgenden Kapitel:
Meine Toolbox
Methoden zur Standortbestimmung, Reflexion und Planung, die an zentraler Stelle zu finden sind und wiederkehrend in Vor- und Nachbereitungsphasen der Standardelemente, in Beratungssettings und bei Bedarf zum Einsatz kommen
Fazit-Heft
Material zur Bewertung der durchlaufenden Praxisphasen, Lebenslauf zur Dokumentation aller Erfahrungen und Erkenntnisse sowie Informationen rund um den Bewerbungsprozess
Los geht's
Offizielles Schreiben zum Erhalt des BWPs und erster thematischer Einstieg
Mein Potenzial
Material mit den Methoden zur Vor- und Nachbereitung von Potenziale entdecken
Meine Praxisphasen
Material mit den Methoden zur Vor- und Nachbereitung der Berufsfelderkundungstage und der Betriebspraktika
Meine Ausbildung
Informationen sowie Material mit den Methoden zur Vorbereitung auf die Bewerbungsphase für eine Ausbildung und die Gestaltung des Übergangs
Mein Fazit
Informationen rund um die Anschlussvereinbarung und Übersicht der wichtigen Adressen für weitere Informationen
Berufliche Orientierung in der Sek II
Übersicht über den Ablauf der Beruflichen Orientierung in der Sekundarstufe II mit Materialhinweisen zur Gestaltung
Dokumentation: Arbeiten mit dem BWP
Dokumentationsmöglichkeit für die Unterstützung der kollegialen Zusammenarbeit mit dem BWP
An dieser Stelle dient die Auflistung der Kapitel der ersten Übersicht, auf den folgenden Seiten finden sich alle Kapitel tiefergehend beschrieben.
1 Innerhalb des Berufswahlpasses bezeichnet der Begriff Methoden eine Sammlung an Instrumenten, welche den Schülerinnen und Schülern gezielt ermöglichen sollen, ihre Person, sozialen Ressourcen, Interessen und Meinungen sowie strukturell-institutionelle Begebenheiten wiederkehrend zu beschreiben, planen und auszuwerten.
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